25 Jahre Hospizbewegung Gütersloh


 
Zum Jubiläum der Gütersloher Hospizbewegung haben sich Gründungsmitglieder zusammengesetzt, um über die Anfänge des Vereins nachzudenken.

 

 

Angeregt und unterstützt von Herrn Prof. Dörner wurde der Hospizgedanke u.a. von Frau Diplompsychologin Waltraud Franke nach Gütersloh getragen und mit Leben gefüllt.
Als im Januar 1990 eine kleine Annonce in der hiesigen Zeitung erschien, in der Frau Franke zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben, Tod und Trauer“ und dem Hospizgedanken aufrief, meldete sich eine Gruppe interessierter Personen für einen Hospizhelferkurs. Sie kamen aus medizinischen und pflegerischen Berufen, waren betroffene Angehörige, hatten selbst Erfahrungen mit tödlichen Erkrankungen gemacht oder waren einfach am Thema interessiert.


Wir erinnern daran, dass in dieser Zeit „Tod und Sterben“ noch den Charakter eines Tabuthemas hatte und nicht im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion stand. Die Auseinandersetzung damit stieß oftmals auf Irritation und Ablehnung. Die Möglichkeit der Medizin zur Verbesserung und Verlängerung des Lebens und der Lebenquälität war ein großer Fortschritt, jedoch löste die Tatsache des Sterben- Müssens zunächst allseitige Ratlosigkeit aus. Patienten in Krankenhäusern und Altenheimen wurden zeitweise zum Sterben ins Badezimmer geschoben und oftmals allein gelassen. Auch Ärzte und Pflegepersonen standen dem Tod und dem Sterben oft ratlos gegenüber und suchten zu verdrängen.
Bestimmend für unsere Aktivitäten waren Anregungen und Erfahrungen aus England. Die Ärztin Cicely Saunders rief zu einem anderen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer auf und zu einer wirksamen Schmerztherapie bei Sterbenden. Auch regten die Bücher der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler – Ross aus den 70er Jahren zum Nachdenken an.


Frau Franke, stets voller Ideen, guter Gedanken und Überzeugungskraft, setzte mit ihrer inzwischen gewachsenen Gruppe den Gedanken einer humanen Sterbebegleitung in die Tat um. Dabei lag im Sinne der neuen Haltung der Schwerpunkt der Begleitung Sterbender auf der sozialen, menschlichen und spirituellen Seite. So wurde im am 19 Oktober 1990 die „Hospizbewegung in Gütersloh e.V.“ gegründet.
Bereits am 10. November fand der erste Gütersloher Hospiztag unter dem Thema „Der Hospizgedanke“ im Haus der Kirche statt. Weitere Themen waren u.a. „Schmerztherapie bei Sterbenden“ (Referent Dr. Michael Strumpf der Ruhr Universität Bochum) und „Seelsorge im Angesichts des Todes“ (Referent Pfarrer Overkämping).


Das große Interesse an den Themen wurde deutlich. Wir zählten 120 Teilnehmer, die Räumlichkeiten wurden eng, die Beköstigung zum Mittag reichte nicht. 1992 fand in der Westfälischen Klink der 2 Gütersloher Hospiztag statt unter dem Thema  „Mit dem Sterben Leben“. Als Referenten kamen Prof. Dr. päd. Franco Rest von der Päd. Hochschule Dortmund, Prof. Detlev Zech, Schmertherapiezentrum Uni-Klinik Köln und Pfarrer Heinrich Pera aus Halle an der Saale.


Unser Verein gestaltet auch den 3. Hospiztag zum Thema „Plötzlich und unerwartet“ in der Alten Weberei. Als Referenten konnten wir Prof. Dörner gewinnen und das Thema „Kind und Tod“ wurde eindrucksvoll von Prof. Dr. Student angesprochen. Dieser Tag ist uns heute in lebendiger Erinnerung.
Weitere Hospiztage fanden und finden bis heute regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Hospizverein am Städtischen Krankenhaus und Vereinen der Nachbargemeinden statt (in diesem Jahr hat bereits der 15. Hospiztag in Gütersloh stattgefunden).


1991, ein halbes Jahr nach unserer Vereinsgründung, jedoch unabhängig von uns, hatte sich der „Verein zur Förderung eines Hospizes am Städt. Krankenhaus Gütersloh e.V.“ gebildet und sehr schnell entstanden im Laufe der nächsten Jahre Hospizvereine in den Nachbargemeinden, die zum Teil ihre ersten Anregungen und Erfahrungen auch in Gütersloh sammelten.

Die Arbeit unserer Hospiz-Bewegung richtete sich schwerpunktmäßig auf die Öffentlichkeitsarbeit und die ambulante Begleitung. Es wurden regelmäßig Hospizhelferkurse durchgeführt. In ihnen sollten die Teilnehmer u.a. durch die eigene Auseinandersetzung mit Abschied und Trauer für die Bedürfnisse des Sterbenden und deren Angehörigen sensibilisiert werden.


Es gab regelmäßige Sprechstunden mit Beratung für Angehörige, z.B. zur „Patientenverfügung“ die sich in jenen Jahren entwickelt hat.


Weitere Aktivitäten waren: Monatliche öffentliche Veranstaltungen zu verschiedenen Themen mit unterschiedlichen Referenten, Fortbildungen und Fallgespräche in den eigenen Reihen, Info – Stände auf Gemeindefesten, Selbsthilfegruppen u.v.m.
Begleitungen fanden im Katharina-Luther-Haus und bei Sterbenden zu Hause statt.

Wir denken mit Dankbarkeit an viele Menschen und Institutionen, die unsere Arbeit unterstützt haben durch aktive Mitarbeit, Spenden oder durch kostenlose Bereitstellung von Büro- oder Veranstaltungsräumen. So fanden wir zeitweise in der Westfälischen Klinik, im Büro der Caritas, viele Jahre im Gebäude der IKK, dann im Katharina-Luther-Haus Möglichkeiten für unsere Treffen, Büroarbeit und Öffentliche Veranstaltungen.


Aus den Hospizhelferkursen kamen oftmals motivierte Mitarbeiter zu uns, die den Hospizgedanken weitertrugen und maßgeblich an der Gestaltung und zum Gelingen der Arbeit beigetragen haben.
Stellvertretend für alle möchten wir an Brunhilde Elias und Elke Strothmann, an Margret Osthus und an Gabi Hübner erinnern, die nicht mehr unter uns sind.


Heute liegt die Führung des Vereins in den Händen von Herrn Büteröwe und wir sind überzeugt, dass der Hospizgedanke auch durch seine Arbeit und sein Team weiter verfolgt wird, nachdem die Leitung zuvor in den Händen anderer Mitarbeiter, z.B. des Herrn Dr. Becker, gelegen hat.


Mit Freude sehen wir, dass wir seinerzeit einen zentralen gesellschaftlichen Gedanken aufgegriffen haben und beitragen konnten, ihm mit unseren bescheidenen Mitteln zu der heutigen Bedeutung zu verhelfen.


Im September 2015
Waltraut Franke
Jutta Winkler
Hannelore Papstein
Gerda Genin